Island – Tag 10

Nach einer kräftig verregneten Nacht ist es am Morgen in Heiðarbær trocken. Zumindest von oben, die Campingplatzwiese ist recht nass – einige Pfützen zeugen von den Regenfällen der Nacht. Doch im Gegensatz zum Vorabend müssen wir unser Essen nicht in der Kochstellen-Schutzhütte einnehmen.

Wir fahren zuerst nach Húsavík, um uns Plätze bei einer Walbeobachtungstour zu sichern. Um 10 Uhr morgens sind bereits alle Fahrten des Tags bis 16 Uhr ausgebucht, doch für eine Sonderfahrt um 17 Uhr lassen wir uns vormerken. Für den Rest des Tages fahren wir nach Süden zum Mývatn, dem „Mückensee“ inmitten eines vulkanisch aktiven Gebiets. Zumindest einen Teil der dortigen Sehenswürdigkeiten werden wir bereits heute besichtigen können, den Rest werden wir morgen mitnehmen.

Auf dem Weg zum Mývatn ist der Wechsel von Weiden und Wiesen in die vulkanisch geprägte Landschaft sehr plötzlich. Noch sieht man auf grünes Gras und ein paar Minuten später wirkt es wie auf dem Mond.

Und ja, am Mývatn gibt es wirklich viele Mücken. Wir haben Glück, denn keine der zahlreich vertretenen Arten scheint in der Saison unserer Anwesenheit zu stechen. Am Ende des Tages werden wir keinen einzigen Stich finden können. Ein bisschen aufdringlich sind die Insekten aber schon.

Bei Skútustaðir im Süden des  Mývatn lassen sich bei einem kleinen Spaziergang eine Vielzahl von Pseudokratern erkunden. Es handelt sich nicht um Ausbruchskrater aus denen einst Lava aus dem Erdinneren floss, sondern um Spuren von Explosionen. Diese entstanden als Magma  ein Feuchtgebiet überströmte. Das blitzschnell verdampfende Wasser entfaltet dabei die Kraft einer Explosion und reißt so die Krater in die Landschaft.

In der vulkanischen Landschaft um den See sticht als eine der Hauptattraktionen Dimmuborgir hervor. Übersetzt bedeutet der Name soviel wie „dunkle Städte“ oder „dunkle Burgen“ und wer auf den leicht begehbaren Wegen zwischen den  Lavaschloten umherwandelt, weiß warum.

Gemeinsam mit vielen anderen Touristen, die seltsamerweise dieselbe Idee haben, besteigen wir das Hverfjall, einen Tuffring im Osten des  Mývatn, der entstand als Grundwasser und Magma explosiv aufeinandertrafen.

Der Rand des Rings lässt sich vollständig umrunden, wir gehen nur in etwa ein Viertel des Wegs und wieder zurück. Vom Hverfjall hat man einen wunderbaren Fernblick, hier der Blick von Osten über den Mývatn, im Vordergrund ein Lavafeld.

Um 17 Uhr verlassen wir wie geplant den Hafen von Húsavík an Bord eines Schnellbootes. Eingepackt in warme Overalls, Sicherheitswesten umgeschnallt, brettern wir über die Wellenkämme. Beim Tempo des Bootes sind diese doch recht hart und wir müssen uns in eine bequeme Position, halb gelehnt halb abgestützt, bringen um nicht Rückenschmerzen zu bekommen.

Das erste Ziel unserer Fahrt durch die Bucht ist Lundey, die Papageientaucherinsel. Im Sommer brüten hier abertausende der „Clowns des Meers“, auch wir sehen noch viele in den Wellen um die Insel. Doch ihre Fluchtdistanz ist groß, so dass wir sie nur selten ausreichen nah für ein gutes Foto vor die Kamera bekommen.

Deutlich weniger furchtsam sind die Eissturmvögel, die sehr nah am Boot vorbei rauschen. Dies tun sie aber so schnell, dass ich kaum mit der Kamera hinterher komme und nur wenige Fotos tatsächlich gelingen.

Auch mit den Walen haben wir Glück. Immer wieder tauchen Buckelwale auf, nehmen einige Atemzüge an der Oberfläche und verschwinden wieder in den Tiefen der Bucht. Einige zeigen beim Abtauchen nicht nur ihre Rückenflosse sondern präsentieren auch ihre Fluke wie dieses Exemplar hier.

Nach rund zweieinhalb Stunden brausen wir wieder zurück zum Hafen, erfüllt von vielen neuen Eindrücken. Wir schälen uns aus den warmen Overalls und nehmen noch einen kleinen Snack ein, bevor zur Unterkunft zurückfahren. Da uns die Reise in den nächsten Tagen weiter nach Osten führen soll, kehren wir für die Nacht erneut in Heiðarbær ein. Neben der guten Lage locken auch Swimmingpool und Hotpots. Abends werden wir noch mit einer schönen Dämmerung belohnt.

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